Das Fronleichnamsfest ist im 13. Jahrhundert in Lüttich entstanden und hat sich rasch auf die ganze Kirche ausgedehnt. Von Anfang an haben die Christen Eucharistie gefeiert. Sie war immer der Mittelpunkt des Glaubens- und Gemeindelebens. Im Rahmen der Eucharistiefeier haben die Christen, besonders im Hochmittelalter (11. bis I3. Jahrhundert) große Kreativität und Phantasie entfaltet, um das Kerngeschehen des Glaubens, anschaulich zu begehen, so dass es sich den Gläubigen einprägen konnte.  1209 tritt eine Ordensfrau aus Lüttich, Juliana von Cornillon, an ihren Bischof heran mit dem Vorschlag, eine neue Form eucharistischer Frömmigkeit einzuführen und zu fördern: nämlich die Verehrung der heiligen Gestalten, besonders des Brotes, außerhalb der Eucharistiefeier, was es his dahin nicht gab. Das Leidensgeschehen der Kartage stand im Mittelpunkt der Messfeier; sie glich einem heiligen Schauspiel, das die einzelnen Vorgänge des Leidens Christi beeindruckend darstellte und den gläubigen Zuschauer ergreifen sollte.

Kommunionempfang war eher selten. Juliana spürte, dass noch eine andere Form eucharistischer Frömmigkeit und Verehrung möglich und nützlich wäre, weniger aufwendig und persönlicher als die festlichen Schauspiele. 1246 führte Bischof Roben von Lüttich ein neues Fest in seiner Diözese ein: die Verehrung des heiligen Brotes, des Leibes Christi, außerhalb der Messfeier, gewissermassen als Vertiefung und Verinnerlichung der Liebeshingabe Christi, die in der Messe gefeiert wird. 1264 schrieb Papst Urban IV. das Fest für die ganze abendländische Kirche vor. Das neue Fest erfreute sich schnell großer Beliebtheit, besonders im germanischen Raum, wo es bald den Namen Fronleichnam erhielt (Leib des Herrn).

1277 wird es in Köln zum ersten Mal mit einer feierlichen Prozession begangen. Die Gestalrung dieser Prozessionen sollte sich in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten mit vielen Elementen ausschmücken, die zum Teil aus älteren Prozessionen übernommen wurden wie beispielsweise aus der Palmsonntagprozession, den Flurumgängen oder Wetterprozessionen.  Seit dem 14. Jahrhundert wird das Allerheiligste sichtbar in der Monstranz unter dem Tragehimmel mitgetragen.

Seit dem 15. Jahrhundert ist es im deutschen Sprachgebiet Regel, dass die Fronleichnamsprozession an vier Stellen Halt macht und nach den vier Himmelsrichtungen hin die vier Evangelienanfänge verkündet als Zeichen, dass die ganze Schöpfung von der Frohen Botschaft betroffen und in das Erlösungsgeschehen einbezogen ist, wie der heilige Paulus es wunderbar sagt: „Er hat allen seinen Geschöpfen die Hoffnung gegeben, dass sie eines Tages vom Fluch der Vergänglichkeit erlöst werden. Sie sollen dann nicht mehr Sklaven des Todes sein, sondern am befreiten Leben der Kinder Gottes teilhaben.“ (Röm. 8, 21).

Die örtlichen Verhältnisse in unserem Dorf eigneten sich bestens, um diesen Gedanken in die Dorflandschaft einzuschreiben. Ausgehend von der Kirche in der Dorfmitte, beschritt die Fronleichnamnsprozession in Kreuzform die vier Hauptwege mit jeweils einem Segensaltar als Endstation: Richtung Dürler bis zur Kapelle bei Wickler-Backes; dann Richtung Reuland bis zur Bushaltestelle (früher Haus Bantz); dann durch die Michelsecke Richtung St. Vith bis zur damaligen Post; dann durch den kleinen Weg zur Straße Richtung Thommen bis zum Kreuz und zurück zur Kirche. Stärkeres Verkehrsaufkommen hat in den letzten Jahren andere Routen und Formen notwendig gemacht. Aber wie die Geschichte des Festes und der Prozession zeigt, stehen der Fantasie und der Kreativität in der Gestaltung dieser Frömmigkeitsform und Glaubensbekündung weite Räume offen.