Die Bittprozessionen sind im Mittelalter im südfranzösischen Raum entstanden. Ihre ursprüngliche Form bestand im Umschreiten der Felder und Fluren; dabei wurden Bittgebete und -gesänge verrichtet, um vom Schöpfer Segen für die Erde zu erflehen. Solche Bittgänge gab es schon in vorchristlicher Zeit. So greift die „Markusprozession“ am 25. April auf einen römischen Flurumgang zurück, bei dem man die Gottheit um Schutz vor dem Dämon des Getreiderostes bat.

Dieser Flurumgang wurde in Rom am 25. April begangen. Inhaltlich hat die „Markusprozession“ nichts mit dem Fest des Heiligen Markus zu tun. Die Übereinstimmung des Markusfestes mit dem Tag des römischen Brauches hat dieser Prozession ihren Namen gegeben. Heute noch wird in Aldringen diese Markusprozession am 25. April begangen.  Die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt und ihre Prozession gehen wahrscheinlich auch auf heidnische Bräuche zurück. Anders lässt sich dieser Brauch in der österlichen Zeit nicht erklären. Auch hat es Versuche gegeben, diese Bitttage auf die Zeit nach Pfingsten zu verlegen. Diese Änderungen haben sich aber nicht durchsetzen können. Mancherorts wie in Mailand und Münster hat der Bußcharakter dieser Bitttage sich im Laufe der Zeit gesteigert. Dort beginnt die Prozession mit einer Aschenweihe,

Auch wenn die Bittprozessionen eine typisch ländliche Frömmigkeitsform sind, haben sie sich doch auch in Städten eingebürgert und bezeugen so das gesunde Empfinden der Stadtbevölkerung: Alles menschliche Zusammenleben gründet auf der Fruchtbarkeit der Erde, die trotz aller menschlichen Tüchtigkeit auch immer auf den Schöpfer verweist und zu demütiger Dankbarkeit anhält.

In Oudler hat sich die Markusprozession nicht eingebürgert, wohl aber die Bitttage vor Christi Himmelfahrt, allerdings nicht in einer Feld- und Flurbeschreitung. An den drei Tagen wurden abwechselnd drei Gänge durch jeweils eine der Hauptstraßen des Dorfes gemacht.