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Haus Macquet erstrahlt in neuem Glanz

Das Haus Macquet in Oudler stammt in seiner jetzigen Form aus dem Jahr 1779, doch vermutlich wurde bereits Jahrhunderte zuvor an diesem Ort Geschichte geschrieben. Der Unternehmer Manfred Duprez hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses historische Kleinod aufzuwerten und für die kommenden Generationen zu bewahren. Eine grundlegende Kernsanierung und eine komplette Modernisierung des Gebäudes macht das Gebäude fortan zum Blickfang.

<p>Der Einfluss der Familie Macquet hat auch heute noch Spuren in der Region.</p>
<p>Im „Postrelais“ entstehen moderne Ferienwohnungen.</p>
<p>Der Eingang zum früheren Tunnel</p>

Oudler wurde bereits im 9. Jahrhundert (814 n.Chr.) historisch erwähnt. Der Dorfname geht etymologisch auf die Bedeutung „urbar gemachtes Land“ zurück. Man kann davon ausgehen, dass sich das Dorfzentrum seit jeher rund um die „alte Kapelle“ sowie die Häuser Macquet und Leonardy ansiedelte. 

Zwischen dem Haus Macquet und der Kapelle bestand ein Tunnel.

Das heute als Haus Macquet bezeichnete Gebäude in Oudler diente bei seiner Erbauung 1779 wahrscheinlich zunächst als Pfarrhaus, das sich somit in direkter Nachbarschaft zur 1705 geweihten Kapelle befand. In den für den Klerus äußerst unruhigen Zeiten der Französischen Revolution lebte hier der Vikar Schneiders, der wie viele seiner Kollegen den Eid auf die Republik verweigerte und später auf die Insel Ré verbannt wurde. Der Pfarrer legte vermutlich in dieser Zeit einen geheimen Tunnel zwischen Pfarrhaus und Kapelle an, der als schnelle Fluchtmöglichkeit bei drohender Gefahr diente. Schneiders, der die arme Bevölkerung zeitlebens drangsalierte und sich durch Kredite Ländereien erschlich, plagten kurz vor seinem Tode offenbar Gewissensbisse, sodass er sein beträchtliches Vermögen in eine Stiftung „für die Armen der Pfarre Oudler“ einbrachte. Das „Schneiders- oder Briddesland“ befindet sich heute noch im Besitz der „Armenverwaltung“, dem heutigen ÖSHZ, während für den Pfarrer noch regelmäßig Messen gelesen werden.

Im Zuge der Straßenerneuerung in den 1960 Jahren wurde der Tunnel zwar zerstört, aber der Eingang mit in Blaustein gefasstem Rundbogen im Kellerbereich ist noch stets vorhanden. „Ich kannte die Geschichte und vermutete den Rundbogen eigentlich im hinteren Teil des Hauses. Da dort aber felsiger Boden ist, ist es einleuchtend, dass der Tunnel unter dem Frontbereich des Langhauses gegraben wurde“, erklärt Manfred Duprez. Vor der Französischen Revolution gehörte das Kreisgebiet mit seinen zehn Gemeinden zum Herzogtum Luxemburg. 1794 eroberten die Franzosen im österreichisch-französischen Krieg in der Schlacht bei Fleurus das heutige Belgien mitsamt dem St.Vither Land. Der Kanton St.Vith wurde daraufhin dem Ourthe-Departement mit Sitz in Lüttich zugewiesen und gleichsam dem Arrondissement Malmedy unterstellt. 

In dieser Zeit scheint die Familie Macquet, die vermutlich aus der Gegend von Houffalize stammt, an politischem Einfluss gewonnen zu haben. Vermutlich siedelte die Familie während dieser frühen napoleonischen Zeit nach St.Vith und später auch nach Oudler um, da die französischsprachigen Besatzer vor Ort Beamte und administrative Bedienstete benötigten. Das Pfarrhaus war aufgrund der Verbannung von Vikar Schneiders verwaist. Dr. Franz Josef Macquet, der zwischen 1760 und 1765 geboren wurde, promovierte 1786 an der Universität Löwen zum Arzt. Nach seiner Promotion ließ sich Macquet als Arzt in St.Vith nieder und heirate dort 1789 die St.Vitherin Anna Josephine Niederkorn. Neben der Arztpraxis interessierte sich Franz-Josef Macquet auch für die Politik, sodass er 1803 zum Kantonkommissar für den Kanton St.Vith ernannt wurde. 

Macquet trug zum Aufschwung des regionalen Medizinwesens bei und genoss großes Ansehen. Die französische Herrschaft endete mit der Niederlage Napoleons in Waterloo, sodass Europa im Rahmen des Wiener Kongresses 1814 neu aufgeteilt wurde. Das Gebiet Malmedy-Eupen fiel an Preußen. Zum neuen Landrat wurde Pejo Weiss ernannt, der Macquet als „Wundarzt und Kreisphysikus für den Kanton St.Vith“ – also zum staatlichen Gesundheitsbeamter und seinem technischen Berater – bestimmte. Dr. Macquet arbeitete fortan als „hoher Beamter“, verfiel aber dem Alkohol und wurde im April 1821 zeitweilig seines Amtes enthoben. 1823 starb Macquet an den Folgen einer Harnwegerkrankung. Während seiner Beamtenzeit baute Dr. Macquet auch das stattliche Herrenhaus neben der alten Pfarrkirche in St.Vith. Aus der Ehe von Franz-Josef Macquet und Anna Josephine Niederkorn entsprangen zwei Söhne und zwei Töchter. Der Sohn Eugen Hugo Macquet heiratete Ernestine von Montigny und fungierte lange Zeit als Bürgermeister der Stadt St.Vith. 

Ernestine von Montigny war die Tochter des Landgrafen Franz von Montigny und der Adeligen Maria Anna Van Der Mals. Der zweite Sohn, Heinrich Wilhelm Macquet, machte als „Königlicher Kreisbaumeister Malmedy-Montjoie“ Karriere. Nach dem Tod von Ernestine bewohnte ihr Sohn Eugen Carl Macquet das Anwesen in Oudler. Der eingetragene Kaufmann heiratete die aus Bitburg stammende Katharina Gansen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass gleich zwei „Macquet-Häuser“ in unser Gegend existierten; neben dem Macquet-Haus in der Mühlenbachstraße in St.Vith (dem heutigen Denkmalplatz) gab und gibt es das in Oudler. Der ähnliche Baustil lässt vermuten, dass derselbe Architekt für das Projekt und die Realisierung verantwortlich zeichnete. 

Später hat das Gebäude ebenfalls als Poststation und Pferderelais gedient, wobei die Station auf der „Thurn und Taxis“-Route gelegen ist. Bis 1895 war Josef Florent Macquet Postverwalter der Station in Oudler. Der Postverwalter besaß auch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, der von einem Knecht und einer Magd bewirtschaftet wurde. Nach dessen Tod übernahm sein Bruder Eugen Macquet die Verwaltung der Poststelle Oudler, sodass die Familie Macquet-Gansen von St.Vith nach Oudler umzog. Nach dem Tod von Eugen wurde der Postbetrieb im Hause Macquet beendet und ins Haus Richardy verlagert. In den folgenden Jahren erbte Käthe Bantz-Ingenleuf das Wohnhaus, wo ihr Ehemann Felix schließlich eine Marmormanufaktur einrichtete. Das Haus Macquet aus dem Jahre 1786 in St.Vith wurde 1934 an die Stadt verkauft und kurze Zeit abgerissen. 

Der Einfluss der Familie Macquet hat auch heute noch Spuren in St.Vith; die Familie verkaufte der Stadt Ländereien im Jahre 1860 zwecks Anlegen eines neuen Friedhofes. Noch heute unterhält die Stadt das Macquet-Familiengrab im Eingangsbereich des Friedhofes.

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