„Last Post“ fürs Vereinslokal

Oudler.- Die „unendliche Geschichte“ um den Bau eines neuen Dorfsaals scheint nach über 30 Jahren beendet, wird doch derzeit unter der Ägide der Dorfsaal Oudler VoG. nahe des Fußballgeländes „Auf der Ley“ eine neue Saalinfrastruktur errichtet. Seit 1956 war das altehrwürdige „Vereinslokal“ Dreh- und Angelpunkt des kulturellen Lebens des Ulfdörfchens.  Am vergangenen Samstagabend luden die Mitglieder des Kgl. MV Cäcilia, deren Gründerväter nach der „Stunde Null“ mit Weitsicht und vielen Entbehrungen dieses Vereinslokal mit eigenen finanziellen Mitteln erbauten, nach nunmehr 63 Jahren zum letzten Jahreskonzert in die nicht mehr zeitgemäße Infrastruktur ein.

Nicht verwunderlich also, dass sich viele Besucher zu diesem „Last Post“ einfanden, ist das Vereinslokal doch für so manchen persönlich mit lustigen Anekdoten behaftet. 

„Last Post“ für das Vereinslokal

Als Reverenz an das Vereinslokal ließen die Musiker um Dirigent Julian Pauels 95 Jahre Vereinsgeschichte Revue passieren. „Nach der Einstufung im vergangenen Jahr haben wir beschlossen, vergessene Schätze aus unserem Notenschrank auszugraben und diese neu für das Jahreskonzert vorzubereiten“, erklärte Julian Pauels.  Ein Projekt, das im Nachhinein bei den Musikern selbst aber auch bei den Zuschauern großen Anklang fand.  Eröffnet wurde der Konzertreigen mit der Konzertsuite „The Awakening“ von Bert Appermont.  Hierbei handelte es sich um einen gefühlvollen Auszug des flämischen Freiluftmusicals „Die Saat des Satans“, das den Hexenwahn zum Thema hatte.  Der MVO nimmt bereits seit Jahren erfolgreich in der 1. Kategorie an den Einstufungswettbewerben des Musikverbandes Födekam Ostbelgien teil, so dass auch in diesem Zusammenhang eine Retrospektive eingeplant wurde.  „Ratafia“ von Willy Fransen war das Pflichtwerk des MVO bei der Einstufung im Jahre 2015 mit dem Julian Pauels den Zuschauern ein „musikalisches Prosit“ zurief.  

Konzertanter Facettenreichtum

Es folgte das dreiteilige Konzertwerk „Concerto d’Amore“ von Jacob de Haan, das eindrucksvoll Stilelemente des Barock mit denen des Pop und des Jazz in Einklang brachte.  Neben diesen „Schätzchen aus dem Notenschaaf“ studierte der MVO aber auch neue Kompositionen für das Jahreskonzert ein.  Mit „Dramatic Tales“ von Markus Götz offerierte das Orchester eine fast zehnminütige Klangkomposition, die die Mystik des „Todten Moos“ mit all seinen Sagen und Sagengestalten zum Thema hatte, bevor der MVO mit dem „Stockholm Waterfestival“ von Luigi di Ghisallo einen ersten Abstecher nach Schweden machte.  Die sinfonische Rockouvertüre entführte das Publikum zu den markantesten Sehenswürdigkeiten Stockholms, angefangen mit den zahlreichen Springbrunnen über die Wachablösung am Palast bis hin zum versunkenen Wasa-Schiff.  Nach einer kurzen Verschnaufpause setzten die Cäcilia-Musiker ihr abwechslungsreiches Konzertprogramm mit dem Militärmarsch „Semper Fidelis“ von John Philipp Sousa in perfekter Art und Weise fort.  

U- und V-Musik 

Der zweite Konzertteil war nach dem konzertanten Auftakt eher der Unterhaltungsmusik vorbehalten.  Der groovige Latin-Pop-Hit „Havanna“ von Camila Cabello animierte die Zuschauer zum Mitschnippen, bevor die „Musik ohne Film“ in Form des Jacob-de-Haan-Klassikers „La Storia“ eine Reverenz an die „Spaghetti-Western“ und den Komponisten Ennio Morricone lieferte.  Es folgte mit Abba-Gold des Arrangeurs Ron Sebregts ein Medley der legendären schwedischen Pop-Giganten der 1970er Jahre.  „Dancing Queen“, „Mamma Mia“, „Fernando“ und „The Winner takes it all“ verwandelte den alten Dorfsaal in einen wahren Disco-Tempel, bevor mit „Cheap Thrills“ von Sia der Pop-Moderne gedacht wurde.  Der britische Brass-Klassiker „The Floral Dance“ von Katie Moss, bestens bekannt aus dem Kult-Film „Brassed off!“ läutete schließlich das Konzertfinale, das traditionsgemäß volkstümlich gestaltet wurde, ein.  Die Parade-Polka „Slavonicka“ der „Egerländer Musikanten“ traf sodann den Nerv der Zuschauer, so dass die MVO-Musiker von Julian Pauels erst nach den Zugaben „Feuert los! Blaze Away“ von Abraham Holzmann und der Tondovi-Polka von Miloslav Prochazka und seiner legendären Kapelle Mistříňanka unter Ovationen von der Bühne entlassen wurden. 

Neuer Saal, neuer MVO-Elan

MVO-Präsident Manfred Duprez dankte seinen Musikern und vor allem seinem Dirigenten Julian Pauels für den bewiesenen Einsatz während des vergangenen Jahres und durfte gleichsam mit Lindsay Rosengarten (Klarinette) und seiner Gattin Mäggy Duprez (Bass) zwei neue Gesichter vorstellen, die ihre Feuertaufe mit Bravour schafften.  „Eine Ära geht hier im Vereinslokal zu Ende und eine neue wird beginnen.  Mit Wehmut nehmen wir heute Abschied von unserem Saal, der für die meisten von uns zu einem Stück unseres Lebens wurde.  Jetzt heißt es nach vorne zu blicken und mit der neuen Infrastruktur auch neuen Elan für unseren Musikverein zu kreieren“, bemerkte Manfred Duprez abschließend. Ein gelungenes Jahreskonzert des Kgl. MV Cäcilia Oudler, auf dessen weitere musikalischen Streiche man sicherlich gespannt sein darf. (Quelle:gh/grenzecho)

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